Werkbeschreibung

Sollte auf dieser Aufnahme ein Name auf keinen Fall fehlen, so ist es der von Astor Piazzolla. Er tut es nicht. Mit dem Libertango und Oblivion für Violine und Gitarre, sowie Verano Porteño sind drei seiner wunderschönen Kompositionen vertreten.

Mit La Cumparsita, La Paloma und O Sole Mio, die mit zu den ältesten Tangokompositionen überhaupt gehören, werden im umfassenden und abwechslungsreichen Repertoire auch Stücke mit Wiedererkennungswert geboten. Sowohl das solistische Spiel beider Protagonisten als auch ihr Zusammenwirken ist bravourös. Klangtechnisch bleibt bei dieser Aufnahme nichts zu wünschen übrig. Die musikalische Qualität und die Besonderheit der untypischen Besetzung machen diese CD zu einem feinen Klangjuwel. Klaus Jäckle und sein temperamentvoller Partner Friedemann Amadeus Treiber bilden ein kongeniales Duo, dem es sowohl gelingt, ein weiteres Tangovergnügen für Tangofans anzubieten, als auch  Klassikhörer für die Musik des Tango zu begeistern

"Der Tango argentino ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann."
Enrique Santos Discépolo

Auf der Suche nach dem Wesen des Tangos habe ich Werke aus den verschiedenen Phasen des Tangos zusammengestellt. Woher der Tango kommt, kann niemand so genau sagen. Er setzt sich zusammen aus einem Konglomerat an europäischen, besonders spanischer und italienischer Einflüsse, sowie selbstverständlich argentinischer und vor allem auch kubanischer Elemente. Letzterer prägt auch den allgemein-typischen Rhythmus punktierte Achtel, Sechzehntelnote und zwei Achtel.
Die Habanera "La Paloma" ist das älteste Stück auf dieser CD (um 1840): Iradier, ein Spanier, weilte in Kuba und schrieb außerdem auch die berühmteste Habanera überhaupt, "El arreglito. Chanson Havanaise", die Bizet dann in seiner Oper "Carmen" (Die Liebe ist ein Vogel) benutzte. Aus der Phase des eigentlichen Tango, des gesungenen Liedes, stammen El Raton, dt. die Maus, und das wohl berümteste Tenorlied schlechthin, "O sole mio" (1898), von Eduardo di Capua. Es entstand während eines Aufenthalts des italienischen Komponisten in Odessa. Es folgte die instrumentale Phase der Tangoorchester mit dem typischen Klang des Bandoneons, eine Erfindung des deutschen Heinrich Band von 1846, nach dem es auch benannt wurde. "La Cumparsita" (1917) ist ein frühes Stück von Mateo Rodriguez, das später um die ganze Welt gehen sollte. Weiter vermischte sich der Tango mit musikalischen Klängen aus aller Herren Länder, auch der Jazz beinflusste die musikalische Sprache und die Rhythmen des Tangos. Der Tango war immer auch mit der Gitarre verbunden. So haben immer wieder Gitarristen bzw. Komponisten, die Gitarre spielen, Tangos geschrieben. Dies sind hier der Franzose Roland Dyens (gebürtiger Tunesier), die beiden Argentinier Jorge Cardoso und Maximo Diego Pujol, sowie Jaime Zenamon aus Bolivien. Die Internationalität des Tangos ist evident! In der Zwischenzeit wurde er auch in Europa mehr als heimisch, vor allem in Paris. In Paris war es auch, wo Astor Piazzolla bei Nadia Boulanger studierte, um klassich ausgebildeter Komponist zu werden. Sie gab ihm den Rat, sich weiter mit der Musik seiner Heimat Argentinien zu befassen: der Rest ist bereits Geschichte! Piazzolla verschaffte dem Tango den Eingang in die klassische Musikszene. Mit seiner Vielfalt an Kompositionstechniken und Ideenreichtum faszinierte und inspirierte er Musiker aller Sparten. Sein "Adios Nonino" ist hier übrigens in einer Fassung für Gitarre solo des Komponisten selbst zu hören. Schließlich entstand auch ein deutscher Tango für diese CD: von Friedemann Amadeus Treiber.
Klaus Jäckle