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Könnte man sich doch nur von dem Vorurteil freimachen, ein Streichquartett habe unabdingbar mit klassischer Musik zu tun. Dann grübelte man erst gar nicht darüber nach, ob die Arbenz Brüder den vielen Fusionen des Jazz und europäischer Kammermusik noch eine weitere hinzufügen wollen. Dann hörte man ganz unvoreingenommen, was es eben zu hören gibt: ein hervorragend eingespieltes Klaviertrio, das sich eines klassisch besetzten Streichquartetts als eines ganz normalen Jazzklangerzeugenders bedient – nicht mehr und nicht weniger, und das ohne jedes verstohlene Liebäugeln mit der Klassik. Die Musik des Trios klittert nicht, veklebt nicht, sondern ist ganz unter den Prämissen des Jazz konzipiert.

Ohne die beiden auf der ersten CD noch anwesenden Greg Osby und Wolfgang Puschnig agieren die Zwillingsbrüder Michael, Piano und Florian Arbenz, Schlagzeug, gemeinsam mit dem Bassisten Thomas Lähns im herkömmlichen Trioformat, verstärkt um ein komplettes Streichquartett mit den Violinisten Susanna Andres und Nina Candik, dem Bratschisten Christian Vandersee und der Cellistin Stephanie Meyer. Das Quartett übernimmt strukturelle, klanglich-atmosphärische oder melodische Funktionen, hier und da improvisiert auch eines seiner Mitglieder. Trotz aller Vielfalt und kultureller Offenheit präsentiert sich hier doch ein sehr geschlossenes Universum musikalischer Ideen, die streng ökonomisch gehandhabt und aufeinander bezogen werden. Selten sind einmal romantisierende europäische Einwürfe zu hören. Schon der erste Titel « Still in evolution » ist geeignet, den Hörer aus dem Sessel zu katapultieren. Wuchtig, energisch, ganz aus dem Rhythmus geboren, zeigt es einen virtuosen Umgang mit der Zeit. Es entwickelt sich aus zwei kontrastierenden Motiven heraus, einem rhythmischen und einem lyrischen, und es entfaltet komplizierte Verschränkungen aus spontaner und notierter Komposition. Hier überzeugt besonders der Urheber des Stückes, der vor Spielfreude förmlich überschäumende Schlagzeuger. Das zweite Stück « En tres y dos » basiert auf einem äusserst vertrackten rhythmischen Fundament. Als feinsinniger Dialog zwischen Trio und Quartett präsentiert sich « To you ». Und « Nyogen », vom Zen inspiriert, gestaltet ein scheinbar zielloses, traumgleich überwirkliches Fließen ohne jede Wiederholung. – Einheit in der Vielfalt, viel besser kann man’s kaum machen.
Benno Bartsch/07-08/2004/Jazzpodium

Ganz frisch heute aus dem Briefkasten gefischt, das neueste Produkt aus dem Hause metarecords. Dieses kleine umtriebige Label begann ja mit fantastisch gestalteten Verpackungen und riskanter Musik. Mittlerweile sind die CDs im Jewel-Case verpackt. Schade, aber der dort veröffentlichten Musik hört man das ja schließlich auch nicht an.

"AMP Stringency" sind ein Jazz-Klaviertrio mit Streichquartett - und sowas geht nie gut.

Bis auf: hier. Auf sechs Tracks sehr unterschiedlichen Charakters (von relativ freien Stücken (Track 1 + 4) bis an den Rand von Swing (Track 3 + 6) reicht das Spektrum. Das beste vorweg, das Streichquartett probiert es nicht einmal, eine Art Jazzattitüde alten Stils zu etablieren: keine anbiedernden Glissandi und keine holzhaltigen Triolen etc. wie man es vielleicht von manchen Stücken beim Kronos-Quartet oder dem Münchner Modern String Quartet her kennen könnte.

Das Jazztrio (Michael Arbenz [p], Florian Arbenz [dr] und Thomas Lähns [b]) bildet schon den Kern der musikalischen Welt auf dieser Platte, das Streichquartett (Susanna Andres und Nina Candik [vl], Christian Vandersee [va] und Stéphanie Meyer [vc]) fügt sich da manchmal eher ein wie von einer Klaviatur des Trio angespielt. Aber auch mal anders wie in Track 3 und 6, wo eher um das Streichquartett herum musiziert wird. Alle Stücke sind für sich charakteristisch und duften in gewisser Weise ihre eigene Atmosphäre aus - und das recht satt und warm. Die Aufnahmen sind einwandfrei akustisch aufgefächert.

Ganz entzückend zum Beispiel das sehr zurückhaltende Stück Nr. 5 (Nyogen) mit seiner langen Klaviereinleitung, welches auch in einem anderen Aufnahme- und Hörraum spielt - wie weltverloren.
Die beste Jazzplatte mit Streichquartett, die ich kenne.
Martin Hufner/März 2004/www.kritische-masse.de

Die beiden Basler Brüder Michael Arbenz, p, und Florian Arbenz, dr, unterstreichen auf ihrer 5. Edition für das grenzüberschreitende Berliner Label Meta Records, dass sie nicht nur exzellente New-Jazzer, sondern auch auf dem Gebiet zeitgenössischer E-Musik kompetent agieren können. Letzteres beweisen sie immer wieder durch ihr Spiel mit oder für Komponisten und Solisten Neuer Musik wie etwa Paul Sacher, Pierre Boulez, Heinz Holliger, Jürg Wyttenbach, Hans Zender oder das Ensemble Contrechamps, aber auch mit Jazzern wie Greg Osby, Glenn Ferris, Wolfgang Puschnig, Matthieu Michel und Marc Johnson.

Auf der vorliegenden CD verbinden sie ihr brillantes, energiegeladenes, durch dichtes Interplay wie intensive Rhythmik charakterisiertes Pianotrio-Spiel sowie ihr kompositorisches Potenzial mit den Ausdrucksmöglichkeiten eines ausgezeichnet agierenden und sich integrierenden Streichquartetts und es ist hochinteressant, welche kompositorischen wie improvisatorischen Facetten hier ins Spiel gebracht werden - ein weiterer in vielen Teilen überzeugender Brückenschlag zwischen den Genres.
Johannes Anders/März 2004/Jazz 'n' More

"Jazz-Klaviertrio plus Streichquartett geht nicht? Doch, geht und zwar ohne anbiedernde Streicherglissando. Radikal atmosphärisch. Musik, die reichhaltig duftet."
Martin Hufner, taktlos - das Musikmagazin des Bayerischen Rundfunks und der nmz
Critics Choice - Jazzzeitung 04/2004

AMP is primarily the duo of Michael Arbenz on piano and Florian Arbenz on drums. They’ve recorded four previous albums for the label and have used many guests with the group including Greg Osby, Glenn Ferris, and Benny Maupin. For Stringency the trio (including bassist Thomas Lahns) is united with a string quartet. While the music makes nods towards classical music in group texture and (at times) the harmonic base, the rhythmic impetus is, for the most part, Jazz-based. Florian Arbenz sets the tone with his opening composition “Still In Evolution” which begins slowly with drums/bass free interplay that evolves into percolating ride-cymbal figure. The piano enters, placing asymmetrical phrases at odd intervals over the rhythm. Eventually the string quartet enters, also seemingly outside the main rhythm. A theme emerges that brings all of the elements together. The string quartet members seem very comfortable with the material, contributing the occasional solo and they bend and move with the flow of the music rather than contributing a stiff accompaniment. Florian Arbenz’ drums aggressively push the music along and Michael Arbenz solos with strong lines, full-bodied chords, and crashing dissonances. It’s an energetic performance that takes the listener through several sections and maintains interest throughout. Elsewhere, it sounds as if the drummer uses an expanded kit. On “En Tres Y Dos,” the piece is rhythmically propelled by a piano figure and string quartet interjections while the percussion (sounds like a number of smaller hand drums) keeps up a continuous commentary. What makes this music a success is that the string quartet never sounds grafted on or an afterthought. The trio and quartet mesh into a unit. There is frequently dialogue between the two sections, best heard on “Parts.” Stringency is a strong set of compositions played by musicians from two seemingly different worlds merging into a unified whole.
Robert Iannapollo
Cadence / september 2005