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Melancholische Spaziergänge Noch vor wenigen Tagen wurde in der Tagespresse das Schreckensbild des Untergangs der Serenissima beschworen. Venedig werde von seinen Menschen verlassen, da es mit zunehmender Geschwindigkeit versinke und gleichzeitig die Immobilienpreise ins Unermeßliche stiegen. Die Zahlen waren alarmierend. Da ist es im Gegenzug beruhigend zu erfahren, daß es zum einen Künstler gibt, wie den in Venedig geborenen Gitarristen und Bassisten Davide Baldo, die ihrer Stadt die Treue halten, zum anderen solche wie den deutschen Saxophonisten Ralf Altrieth aus Berlin, Mitbegründer des Labels meta records, welche die Lagunenstadt zum neue Zentrum ihres Lebens und ihrer Arbeit gemacht haben. Gemeinsam haben die beiden mit "Fra Acqua e Cielo" ein Duo-Album von großer Zartheit eingespielt, zugleich ein Bekenntnis ihrer Liebe zu Venedig. "Zwischen Wasser und Himmel" haben sie mit Blick auf ihre Stadt die Zusammenstellung von sieben eigenen und drei Stücken aus dem Standard-Repertoire des Jazz genannt, der sie den etwas tristen Untertitel "Musik ohne Bäume" gegeben haben. In der Tat ist Venedig eine Stadt (fast) ohne Grün, sieht man von den wenigen verschwiegenen Gärten im Verborgenen ab. Die Melancholie der stillen Calle, dunklen Kanäle und kleine Brücken schwingt in jedem der ausgewählten Titel mit, die in eine ganz besondere Stimmung versetzen. Ohne Effekthascherei, nur auf die delikate Sprache ihrer Instrumente konzentriert, erzählen Baldo mit der akustischen Gitarre und Altrieth mit dem Sopransaxophon in ihren brillanten Kompositionen von stillen Stunden, Spaziergängen im Regen und einem Venedig in Grau. Die Wahl einzelner Titel spricht dabei eine deutliche Sprache: "Ma Dépression Se Promène" (Altrieth), Kurt Weills "September Song" und "Foolish Heart" sind traumhaft empfundene Stimmungsbilder, "Überall Sand" wirft einen Blick voller Sehnsucht in Richtung Copacabana, Thelonious Monks "Well You Needn´t" ist feinster Bebop und der Titelsong schließt das Album so nachdenklich, wie "Leoni Contenti" es eröffnet hat. Ein Album für ganz private Stunden. Von Frank Becker / Online Musik Magazin |