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Will man sie noch hören, die Verbindung von Jazz und folkloristischen Elementen aus diversen Ländern, in diesem Fall Bulgarien? Eigentlich nicht, langsam und sicher beginnt sich auch der Folklore-Balkan-Jazz tot zu laufen und vielleicht gehört die CD von Saxophonist Vladimir Karparov schon zu den letzten wirklich guten ambitionierten Platten in diese Richtung. Noch funktioniert die Kombination der Elemente auf spannende Art und Weise, Karparov trägt mit seinem Ton ordentlich dazu bei. Doch egal, auch wenn so prominente Musiker wie Nedyalko Nedyalkov, Stoyan Yankoulov und Martin Lubenov mitwirken, es wird bald alles in dieser Richtung gesagt und gespielt sein. Immerhin ist eine der schönsten Platten dieser Prägung schon 1998 auf den Markt gekommen (Fairy Tale Trio/Jazz across the border). Karparov schafft es aber für dieses Mal noch mit seinen Phrasierungen, das Feuer der Bulgaria-Folklore-Verbindung aufrechtzuerhalten.
bak/Jazzzeit/März-April 2008

Bulgar-Bebop / Vladimir Karparovs Debüt
Selbst in Zeiten, in denen die (auch nicht schlechten) Blechblasbands aus Serbien, Mazedonien und Rumänien unser Bild von zeitgemäßer Balkanfolklore bestimmen, kann man wieder einmal feststellen, dass die Krone immer noch Bulgarien gehört. Das war schon im tiefsten Kommunismus so. Nun kommt ein junger Saxophonvirtuose namens Vladimir Karparov, der an Musikhochschulen in Sofia, Hamburg und Berlin studiert hat und bei seinem Debüt mit konventioneller Rhythmusgruppe (Klavier, Bass, Schlagzeug) und vielen wechselnden Gästen aus Bulgarien auftritt. Er beherrscht das heimische Erbe ebenso wie den neueren Jazz und bringt die beiden Welten in eigenen Kompositionen zusammen.
Organisch wachsen Jazz und die orientalische Ornamentik und die für unsereins oft nicht nachvollziebar komplexen metrischen Verhältnisse der Balkanmusik auseinander hervor und gehen ineinander auf, als sei etwa der Bebop nicht in Minton's Playhouse , sondern in Sofia oder Plovdiv erfunden worden. Die Geige Gadulka und die Flöte Kaval geben gelegentlich ihre betörenden Töne dazu. Das dritte typische Instrument der Bulgaren, der Dudelsack Gaida, fehlt hier zwar; aber Karparov vermag den Klang auf dem Sopransaxophon fast täuschend zu simulieren. An anderen Stellen klingt es wie ein Substrat aller Balkanklarinetten. Seine Kompositionen sind volller spanender Brüche, abgehangener Stimmungen, tänzerischer Eleganz und harmonischer Wagnisse. Als einzigen Evergreen hat er "Take Five" in einer abenteuerlichen Verfremdung im Programm. /u.o./
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.Januar 2008

Wenn es im Jazz darum geht, die eigenen Wurzeln musikalisch auszudrücken und zusammen mit dem Bestehenden zu einem eigenen Stil weiterzuentwickeln, dann ist dies Jazz par excellence. Vladimir Karparov verwebt in zehn exzellenten Eigenkompositionen bulgarische Volksmusik mit modalem Jazz zu einem schillerndem Gespinst, in dem sich Schwindel erregend schnelle Themen und komplexe Rythmen mit Blues- und Gypsy-Anklängen verbinden. Bei einigen Stücken reichern traditionelle bulgarische Instrumente das klassische Rythmusgruppe-und-Bläser-Setup mit zusätzlichen Farben an, steuern aber nicht nur klangliche Nuancen, sondern auch hervorragende Soli bei. Karparov selbst schöpft sowohl in seinen Kompositionen als auch in seinem präzisen, aber ungeheuer wendigen Spiel Inspiration aus Michael Breckers Melodiosität und Joshua Redmans Expressivität. Das Ergebnis ist anspruchsvolle und technisch brillant umgesetzte, in jedem Moment hochspannende und vor Spielfreude brodelnde Musik – eine beeindruckende Visitenkarte von einem der interessantesten jungen Ensembles überhaupt.
Jazzthing/Februar-März2008