Presse

Vom ersten Moment an ist man gefangen. Was diese Musik sagt, ist wichtig. Und intim wie ein Tagebuch. Der Sog der Stimme erzeugt einen Pakt zwischen Sängerin und Publikum: Das hier ist heilig und bleibt unter uns! Die junge Albanerin Elina Duni singt ihre eigene Musik, deren Pole albanische Volkslieder und Jazz sind. Auf Albanisch.
Die Worte muss man nicht verstehen, ihre Musik spricht nicht zum Gehirn, sondern zum Herzen. Dunis Verbündete, Colin Vallon (Klavier), Bänz Oester (Bass) und Norbert Pflammatter (Schlagzeug), ergänzen ihren Gesang perfekt. Gelegentlich gönnt sich das Quartett Ausflüge: Es greift lustvoll in die Geräuschekiste oder spielt Chansons von Serge Gainsbourg und Léo Ferré ein wenig so, als seien das Südosteuropäer im Pariser Exil gewesen.
Financial Times Deutschland/Sven Sorgenfrey/11.7.2008

Aus Albanien stammt die Sängerin Elina Duni, ist musikalisch aber vor allem im Jazz und im Chanson zuhause. Dieser bereits bewährten Mischung fügt sie nun das folkloristische Element ihrer Heimat hinzu und erzielt dabei schon allein durch den Klang der albanischen Sprache ein ganz besonderes Feeling. Hinzu kommen rhythmische und melodische Akzente aus dem balkanisch-orientalischen Raum. In erster Linie aber bleibt sie eine Jazz-Sängerin, die mit warmer Stimme und subtiler Phrasierung zu faszinieren weiß. Und mit Colin Vallon (p), Bänz Oester (b) und Norbert Pfammater (dr) steht ihr ein Trio zur Seite, das sie einerseits sicher stützt, andererseits aber immer wieder über die bloße Begleitfunktion hinauswächst und den Stücken auch instrumental viel Substanz hinzufügt. Eine hochinteressante Alternative zu den modischen Pseudo-Jazz-Lolitas aus dem Nordwesten Europas.
www.global-mojo.com/Mojo Mendiola/3.Quartal 08

Die Gene des Jazz
Jazz wird zu einem Fluidum. Er lebt in vielen Fusionen fort, wie in der Musik der albanisch-schweizerischen Sängerin Elina Duni.
Wieder mal Besuch eines alten Freunds. Vor Jahrzehnten verband uns die Leidenschaft für den Jazz, und darunter verstanden wir Modern Jazz. Bebop, im weitesten Sinn. Er war ein überdurchschnittlicher Amateurpianist, immer schon mit einem etwas verqueren Hang zum Widerspruch; die modale Wende (Coltrane und die Folgen) mochte er schon nicht mehr so recht nachvollziehen, und er begann sich in seiner Orthodoxie einzumauern. Das irritierte mich, schon damals, aber dass wir uns in der Ablehnung allen Dixieland-Geschrammels einig waren, überwog die Differenzen. Dabei schütteten wir freilich gleich das Kind mit dem Bad aus und übersahen in grossartiger Arroganz den Unterschied zwischen dem albisgütlihaften Dixieland-Revival und authentischem altem. Ich hatte mich bald in avanciertere Bereiche vorgewagt und in scheinbar antiquiertere, ich begann mich mit Swing zu beschäftigen und mit Paul Bley, Ornette und Archie Shepp ich war ja kein Musiker, sondern ein «Fan», im rührenden Sinn des Worts wie im unangenehmen. Auch das ging vorüber. Mein alter Kumpel bastelte weiter am relativ engen Regelwerk der traditionellen Bop-Harmonik, wurde ein immer besserer Pianist und ein immer verstockterer Ideologe. Abgesehen davon, dass er auch politisch Positionen bezog, wie sie auf dem Albisgütli vertreten werden. So weit, so na ja. Als er auch noch gegen Samba wetterte («auch wenn Stan Getz den spielt: Jazz ist das nicht»), war der Vorrat an Gemeinsamkeit aufgebraucht. Der Mann ist heute das Museum seiner selbst, dass er Jazz ausspricht wie «Jatz», passt ins Bild.
Denn Jazz ist längst keine definierte Musik mehr, sondern ein Fluidum, ein Faktor, ein Spirit, der sich in unzähligen «Wirts-Musiken» ausdrückt. Seine Gene leben in den unterschiedlichsten Verschmelzungen fort (in die er sich, nebenbei, seit Anbeginn immer schon freudvoll geworfen hat), seine Vitalität bewies sich nie in Purismen, sondern in den vielfältigsten und bedenkenlosesten Liaisons, zu denen er sich hinreissen liess. In diesem Sinn ist die 26-jährige albanische Sängerin Elina Duni, die noch zu Zeiten der Kommunismus-Dämmerung in die Schweiz kam, westliche Musik entdeckte und also auch Pop, Jazz und Chansons, ein Prototyp dieses grenzenlosen neuen Musikverständnisses. Sie singt albanische, bulgarische, griechische Folklore, Lieder von Serge Gainsbourg und Léo Ferré, aber mit einer Freiheit, einem entspannten Feeling, das nur aus dem Jazz kommen kann. Duni hat eine biegsame, diskrete, intime Stimme, aber sie kann auch ganz schön instrumental loslegen und Balkan-Power entfachen. Manchmal scheint sie in der Intonation etwas über oder unter der wohltemperierten Korrektheit zu liegen. Aber man lasse sich nicht täuschen: Die «Unsauberkeit» ist Absicht, das heisst, sie ist gar keine, so wenig wie bei den Naturtonreihen eines Alphorns.
Elina Duni wird von einem fabelhaften Trio, nein: nicht begleitet, sondern herausgefordert. Es gibt in letzter Zeit in der Schweiz gleich eine ganze Reihe von erstklassigen Piano-Trios, welche die scheinbar zu Tode geklapperte Formel neu erfinden. Der junge Lausanner Pianist Colin Vallon spielt gleich in zweien davon, in der Formation mit Bänz Oester am Bass und Norbert Pfammatter am Schlagzeug (sie ist es, die hier Mademoiselle Duni befeuert) und der mit Patrice Moret am Bass und Samuel Rohrer am Schlagzeug (mit ihnen hat er 2006 eine frische, stellenweise kühne CD für hatHut eingespielt: «Ailleurs»). Auf «Baresha» (Elina Dunis Erstling) hält er sich vornehm zurück, ohne in der Rolle des Begleiters zu verschwinden (alle sind gleichberechtigte Partner, Bassist Bänz Oester steuert sogar eine schöne Eigenkomposition bei, eine schottische Nebelballade mit dem Titel «Loch Ness»). Ein schönes, offenes, inspiriertes Rezital. Wenn denn schon im Zusammenhang mit Einbürgerungen so viel von Integration schwadroniert wird: Hier wäre ein diesbezügliches Pilotprojekt, ein helveto-albanisches Kollektivunternehmen zu jedermanns Gewinn.
Weltwoche/Peter Rüedi/Ausgabe24_08

Jazzstandards, französische Chansons, albanische, griechische und bulgarische Folklore stehen da nebeneinander, alles in Originalsprache. Ein Sammelsurium der Stimmungswechsel? Klares Nein, denn im Programm der aus Albanien in die Schweiz gekommenen Sängerin Elina Duni geht alles geschmeidig und organisch auseinander hervor. Ein exzellentes Klaviertrio mit Colin Vallon, Bänz Oester und Norbert Pfammatter ist der stilistische Schlüssel dafür. Es jongliert superb mit den Stimmungen und schafft der berückenden Sängerin mal dezent, mal treibend Räume und ein Fundament.
Leipziger Volkszeitung/13.6.2008

Die in Albanien geborene und seit ihrem elften Lebensjahr in der Schweiz lebende Sängerin Elina Duni ist in der traditionellen Musik des Balkan, in der Klassik und im Jazz gleichermaßen zuhause. Auf ihrem Debüt zeigt sie ihre Kompetenz in verschiedenen Stilen in einer so beeindruckenden Breite, dass einem fast schwindlig wird. Jazzig bearbeitete Traditionals aus Albanien, Griechenland, Bulgarien und dem Kosovo stehen neben Klassikern des Chansons von Gainsbourg und Ferré, folkloristische Stimmfärbung neben Experimentellem, Sentiment neben Virtuosität. Dazu mit Colin Vallon, Bänz Oester und Norbert Pfammatter drei Schweizer Jazzer, die jeden Weg mitgehen und gelegenheit bekommen, eigene Akzente zu setzen.
Jazzthetik/Juni 2008

Poesie ohne Heimat
Meist liest sich das so: Irgendein benachbartes Land liege der jungen, bei uns leider völlig unbekannten Sängerin zu Füßen. Verblüffend sei dabei vor allem deren stimmliche Reife, die man weder ihren blonden Haaren noch ihrem Alter, noch ihrem zierlichen Äußeren zutrauen würde.
Aber so ist es. Welch ein Glück, dass irgendeinem bekannten Pianisten/Produzenten/Prominenten ein Demotape zugespielt wurde, das diesen aufhorchen ließ. Der arrangiert ein paar Folk- und Popsongs und schon belegt sie die Nummer eins der betreffenden Charts noch vor Norah Jones!
Man sollte nicht miesepetrig sein. Wer in den neunziger Jahren zu Recht die abwesenden weiblichen Stimmen im Jazz beklagte und mit Diana Krall und Jane Monheit (wo ist sie geblieben?) späte Frühlingsluft witterte, der wird seit zehn Jahren von einer Sängerinnen-Flut beglückt, die jeden Liebhaber überfordert. Skandinavierinnen zuhauf, die keinen Bossa Nova verachten, Deutsche, die das Great American Songbook als Volksliedfibel behandeln, Holländerinnen, denen alles Klang ist. Es könnte das Paradies sein, würde aus der Reibung zwischen Fremdem und Eigenem etwas Neues entstehen, etwas Unerhörtes. Doch selten berührt das Ohr eine Musik wie Baresha, wie die Lieder der unbekannten Elina Duni, die auf ihrem ersten Album albanische, griechische und bulgarische Songs in Jazz verwandelt, ohne sie und sich unter Wert zu verkaufen.
1981 im kommunistischen Albanien in einer regimekritischen Künstlerfamilie geboren, stand sie im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Nach dem Regierungssturz kam sie 1992 mit ihrer Mutter in die Schweiz, studierte klassisches Klavier, setzte ihre musikalischen Studien am Collège de Saussure fort, an dem Ort, an dem sie den Jazz entdeckte. Es ist die Entfernung zur Heimat, die einst um 1900 den Jazz entstehen ließ, es sind die Auswanderer, die Immigranten, die Bewohner des inneren und äußeren Exils, die heute den Jazz retten werden. Man darf nur nicht vorgeben, man sei in der Fremde zu Hause. Und so singt Elina Duni jetzt in Bern wohnend die schwermütigen und poetischen Lieder des Balkans mit aller Kraft der Trauer und im Tempo der lebenslustigen Verzweiflung.
Und ein Zweites: Das Fremde wird im begleitenden Trio gespiegelt, nicht aufgehoben oder eingebürgert. Die Schweizer Colin Vallon (Piano), Bänz Öster (Bass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug), mit denen Elena Duni seit 2004 zusammenspielt, setzen ihre schmeichelnden oder aufrührerischen Kommentare und Klänge dagegen, sie spielen Quartett, keine »Sängerin plus Trio«-Variation. Nur wenn es französisch wird, wenn Elena Duni ihrer Liebe zu Serge Gainsbourg und Léo Ferré freien Lauf lässt, verfällt die Musik ins angenehm Beliebige, liegt Frankreich zu nahe an der Schweiz. Dann wird das Quartett wieder zum Trio und gibt jeden Widerstand auf.
Von Konrad Heidkamp | © DIE ZEIT Nr.18 vom 24.04.2008, S.52

Wunderbare Weltmusik
Zum Heulen schön ist das Debütalbum „Baresha“ der jungen, albanischen Sängerin Elina Duni, das bei der kleinen Fürther Plattenfirma Meta Records erschienen ist. Aus Balkan-Beats, Jazz-Gesang und Chanson-Flair zaubert Elina Duni mit ihrem Schweizer Trio eine traumverlorene, leidenschaftliche Kammerweltmusik, in der sich auch die Biografie der ausdrucksstarken Sängerin spiegelt. Sie emigrierte als Kind von Albanien in die Schweiz. Traditionelle albanische, griechische und bulgarische Lieder interpretiert Elina Duni ebenso aufregend neu wie Chansons von Serge Gainsbourg und Leo Ferré.
Eine großartige Entdeckung!
Steffen Radlmeier/Nürnberger Nachrichten/17.4.08

Elina Duni: «Die Mischung, das bin ich»
Wenn die Balkan-Folklore auf den Jazz trifft: Die albanisch-schweizerische Sängerin Elina Duni eröffnet ein neues Kapitel in der Verbindung der Stile. Ihr Debüt-Album dümpelt nicht oberflächlich zwischen Ost- und Westeuropa, sondern ist Ausdruck einer kontinentalen Biografie. Portrait einer Musikerin, von der man noch hören wird.

Spricht man in diesem Frühjahr mit Menschen aus dem südlichen Balkan, dann stößt man mit Sicherheit irgendwann auf das Thema Kosovo. Auch bei Elina Duni weckt das Thema Emotionen. Sie kennt die Stadt Pristina, hat dort Freunde, die sich über die Unabhängigkeit freuen. Sie erzählt von persönlichen Erlebnissen und Einzelschicksalen, die aus der politischen Situation der Region herrühren.
Das Albanische ist nur ein Teil der Identität der 26-jährigen Elina Duni. Im Alter von elf Jahren kam sie mit ihrer Mutter in die Schweiz – eher zufällig als geplant. «Ich kann keine typisch albanische Migrationgeschichte bieten», meint sie. Ihre Familie von Künstlern und Intellektuellen hätte zwar oft mit dem Etikett der Dissidenten leben müssen, ihre Kindheit im kommunistischen Albanien und in den farbigen Strassen Tiranas beschreibt sie aber als «wunderbar». Früh begann sie zu singen, mit fünf Jahren beförderte sie ein Komponist für Kindermusik auf die Bühne, eine junge Karriere hatte begonnen. Ihre Jugend durchlebte Elina Duni dann in Genf. «Zu dieser Zeit hegte ich einen starken Bezug zu meinem Herkunftsland und reiste oft hin und her.»
Der Bruch kam um 2001, als sie mit ihrem Vater, einem Regisseur, in Tirana verschiedene Theaterproduktion umsetzte und Jazzkonzerte gab: «Ich merkte, dass meine Denk- und Arbeitsweise ‹westlich› geworden war. In Albanien herrschen ganz andere Ansprüche an die Kunst. Es gibt kein alternatives Kulturschaffen, alles wird an MTV gemessen.» Da sie aber einen großen Teil ihrer musikalischen Ausbildung in der Schweiz gemacht habe, verfolge sie Ansprüche, die sich an der Qualität und nicht nur an der Popularität messen würden.
Elina Duni zog es weiter nach Bern. An der Jazz-Schule entwickelte sich eine neue Facette in dieser Biografie zwischen Ost und West. Es dauerte nicht lange, bis der Name der talentierten Sängerin in der Szene die Runde machte. Mit ihrer unverfrorenen und direkten Art stand Elina Duni bald mit jenen Musikern auf der Bühne, die man in Bern als die Szene-Helden bezeichnet: Pianist Colin Vallon, Bassist Bänz Oester und Drummer Norbert Pfammatter. Das Quartett tingelte durch Jazz-Lokale und erstaunte die Hörerschaft mit einer Mischung aus akustischem Jazz, Adaptionen von französischen Chansons und albanischen Volksliedern. «Irgendwann habe ich gemerkt, dass es diese Lieder waren, was mir aus der alten Heimat geblieben war. So begann ich sie wieder zu singen», erinnert sich die Musikerin.
Eine eigenartige Kombination, aber eine logische Folgerung aus Elina Dunis Lebenslauf: Hier die Herkunft Südosteuropa, dort die Jugend im frankophonen Genf, schliesslich der Jazz in Bern. «Die Mischung, das bin ich», sagt sie in Anlehnung an Flauberts berühmten Ausspruch «Madame Bovary, c’est moi», der darauf verweist, dass die Autobiografie im Kunstwerk gerinnt.
Im Falle von Elina Duni heißt das Werk «Baresha». Ein Debüt-Album, das zum großen Wurf geworden ist. Die Lieder aus Südosteuropa verschmelzen mit zeitgenössischen Jazz-Mustern, als ob sie nie getrennt gewesen wären. Die akustische Band aus Piano, Kontrabass und Schlagzeug reagiert respektvoll auf Melodie und Gesang von Duni, interpretiert knorrig die Volksweisen und wird stellenweise ausfällig, ohne jedoch unnötige Geschwätzigkeit in die Musik zu bringen. Den albanischen, griechischen und bulgarischen Liedern ist ein folkloristischer Anstrich geblieben, die Überschwänglichkeit wie auch die Melancholie dominieren das Klangbild. Neben den drei großartigen Instrumentalisten, die auf unvergleichlich sensible Art interagieren, behauptet sich die selbstbewusste Elina Duni mit herzergreifendem Gesang als gleichberechtigtes Mitglied. Selten kommt moderner Jazz so tiefschürfend daher, noch seltener sind albanische Volkslieder so jazzig aufgetischt worden. Und hält man sich die inflationäre Zahl an Crossover-Versuchen zwischen Balkan-Liedern und westlicher Unterhaltungsmusik vor Augen, so wird diese Platte umso mehr zur Wohltat.
Wie stark sich Elina Duni die Lieder zu eigen gemacht hat, zeigen auch die Chansons von Serge Gainsbourg und Léo Ferré auf der CD. Duni taucht sie in eine neblig-verführerische Atmosphäre, die bald ins Sentimentale kippt. Stimmig und hoch virtuos. Sie stützt sich dabei auf ihr sicheres Gespür für Klangfarben, Intonation und Sprachen, von denen auf «Baresha» gleich derer fünf verschiedene zu hören sind.
Die Interpretationen sind während vielen Konzerten auf der Bühne entstanden. Auch die CD wurde live eingespielt, in sagenhaften zwei Stunden. «Es war ein magischer Moment, es gab keine einzige Nacheinspielung», erinnert sich Duni. Davon profitiert das Album enorm, man spürt den Live-Charakter förmlich.
Nun soll diese Musik zurück auf die Bühne fließen, da wo sie herkommt. Konzerte sind für Elina ein integraler Teil des Schaffens. Man sagt ihr nach, sie hätte eine unüblich starke Bühnenpräsenz. Sie selbst nennt es «Natürlichkeit», was sie vor dem Publikum auszustrahlen versuche. Als Diva kann man sie wahrlich nicht bezeichnen, eher als Talent, das mit beiden Beinen auf dem Boden steht.
Ob ihre Art der Volksmusik in der albanischen Bevölkerung auf offene Ohren stößt? «Jazz ist in Albanien nicht besonders bekannt», gibt die Sängerin zu bedenken. «Allerdings kennt man die Volkslieder. Es kam schon vor, dass nach Konzerten in der Schweiz Albaner mit Tränen in den Augen zu mir kamen.» Dabei hofft sie, dass bei der einen oder anderen Person auch ein bisschen Jazz haften bleibt.
Urs Gilgen/Jazzzeit/März-April 2008

Dass man in Albanien nicht so ohne weiteres eine vielversprechende internationale Jazz-Karriere vom Zaun brechen kann, dürfte jedem einigermaßen einleuchten. Also machte sich Elina Duni 1992 von Tirana auf den Weg nach Genf, um ihren Ambitionen einen nachhaltigen Kick zu geben. Conservatoire de Musique, Collège de Saussure, später die Kunsthochschule Bern – die Musikerin suchte ihren Weg, reifte still vor sich hin und präsentiert nun mit „Baresha” ein Album, das das Zeug hat, auch in großen Zirkeln der Jazzwelt problemlos zu bestehen. Denn Elina Duni hat dabei zwei Dinge beherzigt: Umgebe dich mit Top-Musikern und hebe dich repertoiretechnisch von der Konkurrenz ab. Mit Colin Vallon (Piano), Bänz Oester (Bass) und Norbert Pfammatter (Drums) hat sie sich drei Schweizer Jazzmusiker der Oberliga an Land gezogen, die allesamt ihre Erfahrungen bei den Cracks dieses Genres gesammelt haben (Vallon bspw. bei Erik Truffaz, Oester bei Pierre Favre und Pfammatter bei Lukas Niggli). Und was ihre persönliche Pole-Position angeht, so versteht sie es blendend, ihre kulturelle Herkunft gewinnbringend in ihre Arbeit mit einzubeziehen. Und das bedeutet traditionelles Liedgut aus Albanien, Bulgarien, Griechenland und dem Kosovo mit modernem Jazz-Feeling zu paaren, noch einen Schuss Gainsbourg hinzugeben und so zu einer künstlerischen Diktion zu gelangen, die in dieser Weise bisher kaum auszumachen war. Es sei denn, man erinnert sich an Iva Bittova aus Tschechien, die einen ähnlichen musikalisch-kulturellen Ansatz gewählt hat, letztendlich aber vorwiegend als Solo-Performerin mit Geige einen doch mehr avantgardistischen Weg geht. Elina Duni beschränkt sich auf ihre Stimme und die ist wunderbar facettenreich, mild, professionell geschult und daher souverän. Das wissen ihre Musiker scheinbar sehr zu schätzen, denn sie bereiten ihr ein präzises und massives Fundament. Besser hätte es nicht kommen können.
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