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Alex Hendriksens Sound ist robust, wirkt etwas unterkühlt und klingt unangepasst. Der Schweizer vermeidet auf dem Saxophon peinlichst jede liebliche Grundierung. Kein Vibrato, keine anbiedernden Motive. Trotzdem spürt man in seinem Zusammenspiel mit dem Quartett H2S2 jede Menge lyrisch anrührende Momente. Das mag auch daran liegen, dass Hendriksens Spiel einsam und dabei leicht heimatlos wirkend durch Raum und Zeit mäandert. Immer auf der Suche nach adäquaten Ansprechpartnern und musikalisch herausfordernden Ideen. Die Basis hierfür findet er in den gut gewählten Kompositionen des Albums und in der kreativen Offenheit mit seinen Bandkollegen. In kooperativer Konzentration prüft Hendriksen gemeinsam mit dem Gitarristen Franz Hellmüller, dem Bassisten Luca Sisera und dem Schlagzeuger Michael Stulz die notierten Vorlagen auf deren Gehalt. Die Vier erforschen gleichzeitig Klänge und Töne, sie tauschen ihre Erfahrungen und Temperamente freigiebig aus und sie kommunizieren mal in einer akustisch verhaltenen, fragilen Musiksprache („Luzern-Lausanne“ von F.Hellmüller), mal in von kreativen Interaktionsschüben gezeichneten Gedanken und Techniken („Dance“ von Paul Motion). Sie spielen in einer von individualistischen Prinzipien gestalteten Gemeinsamkeit gegeneinander an. Und entfernen sich dabei doch selten wirklich weit voneinander. „Dance in Town“ ist ein musikalisch leidenschaftliches Abenteuer, dessen Feuer unter der Oberfläche lodert. Verhalten-aber nicht ganz ungefährlich. Bei Debütalben hört man genauer hin. Was kann diese Band? Wo liegen ihre Stärken? Hat sie Neues auf Lager? H2S2 ist eine Schweizer Formation, in der das auch in andern Konstellationen zusammenarbeitende Duo Hellmüller/Sisera einen Kern bildet. Doch die Stärke liegt im Kollektiv. Vier Musiker, die sich schon länger kennen, widmen sich in dieser Band dem klassisch-zeitgenössischen Jazz. Mit einem sehr beachtlichen Resultat. Hier wird mit guter Energie ein Feld beackert, dessen Ingredienzien man kennt, die aber in lustvoller und konziser Weise neu erweckt werden. Die Betonung liegt auf Interplay und Ästhetik, wobei Letztere nicht zum Spieglein an der Wand verkommt. Vier Kompositionen stammen von Hellmüller und Hendriksen, zwei sind von Mark Helias und von Paul Motion. Weiche Klanglinien und drahtiger Schneid zeichnen Hellmüllers Spiel aus. Auf „Down Town“ glänzt er mit einem funky-bluesigen Jazz-Exploit. Hendriksen hat eine Fusion-Klarheit, die erdig bleibt. Sisera und Stulz reagieren mit wachen Ohren. Wenige thematische Blöcke gliedern die Stücke, deren Koordination bald verlassen und im Interplay gestreckt, zerfasert und dynamisiert werden. Solider Jazz von heute, international kompatibel. HOTSPOT/JazzThing/April-Mai 2008 |